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Herfried Münkler

Der Große Krieg

Die Welt 1914 bis 1918

Das sehr umfangreiche Buch über der ersten Weltkrieg konzentriert sich auf die politischen und militärischen Strategien des Deutschen Reichs ohne den Blick für die anderen Beteiligten zu verlieren.

Seine zentrale These ist, dass der Krieg nicht „überdeterminiert“ war, das heißt, er nicht unvermeidliches Resultat einer konsistenten deutschen Strategie oder des deutschen Militarismus war. In so fern nimmt er auch die Motivationen der anderen Kriegsparteien, auch der kleineren die später in den Krieg Eintraten in den Blick. Es geht dabei nicht darum, die Frage der Hauptschuld an dem Krieg neu zu klären. Schuld oder nicht Schuld ist nicht die zentrale Frage, wenn er die Entstehung des Krieges untersucht. Hinweise darauf, dass es auch in Frankreich, Russland oder Großbritannien Kräfte gab, die den Krieg wollten bzw. nicht verhindern wollten und das auch dort Menschen mit Begeisterung in den Krieg zogen, sollen nicht Schuld relativieren.

Selbst wenn in dem Buch in großer Ausführlichkeit militärische Strategien, technologische Neuentwicklungen und der Fortgang von Offensiven und Gegenoffensiven beschrieben werden, bleibt die zentrale Analyseebene die politischen und militärischen Einschätzungen und Fehleinschätzungen der kriegsführenden Parteien, schwerpunktmäßig der Deutschen, ihre Abwägungen und die Gründe ihrer Entscheidungen. Er zeigt dabei auch, wie viele Konzepte und Weichenstellungen, deren Wirksamkeit bis weit über den 2. Weltkrieg hinausreichen, in dieser Zeit entwickelt wurden. Wozu z.B. auch die Ablösung von Großbritannien als Weltmacht durch die USA gehört.

Die größte Leistung Münklers ist aber die Analyse der Motivationen, der in Deutschland wirkenden Fraktionen, der unterschiedlichen politischen Ideologien und Strategien, der Rivalität zwischen Politik und Militär. Er zeichnet nach, wie die Politiker immer wieder scheiterten, ein Primat der Politik gegenüber dem Militär und seiner Logik zu erstreiten. Die wichtigste Erkenntnis ist, keine der Entwicklungen und Entscheidungen war alternativlos, alle Entscheidungen und jede Besetzung von Positionen in Regierung und Militär waren umkämpft. Und wenn es einen zentralen Vorwurf in dem Buch gibt, dann richtet er sich insbesondere aber nicht nur an die deutsche Politik, dass sie nicht in der Lage war, den Krieg wieder frühzeitig zu beenden.

Münkler nennt es die Paradoxien des Krieges, dass alle kriegsführenden Mächte mit Ausnahme der USA Verlierer des Krieges waren, auch die Siegermächte Frankreich und Großbritannien erreichten aus seiner Sicht das Gegenteil von dem, für das sie gekämpft und den Krieg zuerst in Kauf und später nicht frühzeitig beendet hatten.

Das letzte Kapitel behandelt die Frage der Aktualität und ob wir aus der Geschichte lernen können. Dazu gehört die kurze Analogie zum heutigen China, die Eingang in viele Rezensionen gefunden hat. Weitaus wichtiger sind mit Hinblick auf die Kriege in der Nachfolge des Zerfalls von Jugoslawien die Forderungen nach Lerneffekten innerhalb Europas und der Europäischen Union. Die Vorstellung, es könnte im demokratisch geprägten Europa zu keinen Kriegen kommen, ist naiv. Aus dem Buch könnte man lernen, nur wenn es ein Primat von Politik gegenüber gesellschaftlichen Teilsystemen gibt, Politik sich nicht als alternativlos darstellt und sich auf den Ausgleich von Interessen statt auf die Durchsetzung von nationalen Egoismen orientiert, lassen sich Katastrophen wie der 1. Weltkrieg verhindern.

 

 

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September 2012

An Tagen wie diesen

An Tagen wie diesen

was kann ich anderes erwarten

sagen sie

An Tagen wie diesen

wenn der Mond hinter den Wolken kaum zu erkennen ist

nur schemenhaft

An Tagen wie diesen

wenn der kalte Nieselregen November heißt

auch im März

An Tagen wie diesen

wenn Du aus voller Kehle Sommerlieder singst

an den Tönen vorbeisegelnd

An Tagen wie diesen

wenn meine Augen deinem Tanz durch die Wohnung folgen

liebe ich dich trotzdem

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August 2012

 

Schlaflos

 

Alle Tage diesseits oder jenseits

 

Alle Nächte jenseits oder diesseits

 

Alle Tage müde Augen

 

Alle Nächte offene Ohren

 

 

 

Der Verstand harrt reglos

 

Die Finger spielen rastlos

 

Alle Tage müde Augen

 

Alle Nächte offene Ohren

 

 

 

Die Frage wiederholt sich endlos

 

Die Gedanken kreisen pausenlos

 

Alle Tage müde Augen

 

Alle Nächte offene Ohren

 

 

 

Wüsst ich nur wohin mit mir

 

Die Erholung käm´ im Schlaf

 

Alle Tage müde Augen

 

Alle Nächte offene Ohren

 

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Kurzrezension

Deon Meyer – Rote Spur, Aufbau Verlag, 2011

„Rote Spur“ unterteilt sich in 4 Teile, die sich Wendepunkten im Leben von 3 Personen widmen. Zu Beginn steht das erste von 2 Kapiteln über Milla Stachan, einer frustrierten Hausfrau und Mutter, die aus ihrer behüteten Existenz ausbricht. Milla landet als Recherchefrau bei einem Geheimdienst, ein Kunstgriff, der es Deon Meyer ermöglicht, ein Geflecht an Geheimdienstaktivitätn, islamistischen Extremisten und organisierter Kriminalität auszubreiten. Auf besondere Tiefe oder analytischen Blick für die Strukturen dieser Bereiche hofft man jedoch vergebens. Man erhält durchschnittliche Thrillerkost, gefällig geschrieben. Aus diesem Grund ist auch der 2. Teil, über Lemmer, einen Personenschützer, der einen Nashorntransport begleitet und dabei in eine Schmuggelaffäre herein gezogen wird, der beste Teil. Teil 3 geht weitgehend in eine ähnliche Richtung, die schon im ersten Teil eingeführte Milla, bricht nun endgültig aus allen „bürgerlichen“ Strukturen aus, beginnt eine Liebesaffäre mit einem Outlaw und Schmuggler, der nebenbei als CIA-Agent verdächtigt wird. Wem das zu unrealistisch erscheint, sollte nicht bis zum Showdown lesen. In jedem Fall läßt sich sagen, dass der Figur der ausbrechenden Hausfrau die besondere Sympathie des Autors gehört. Teil 4 ist ein Polizeikrimi, Wendepunkt im Leben von Mat Joubert war der Abschied als Offizier aus dem Polizeidienst. Das Buch beschreibt seinen ersten Fall als Privatermittler einer großen Detektei und zeigt ihn noch ganz dem Denken eines Polizisten verhaftet. Er schwimmt sich frei, löst den Fall und verknüpft alle losen Enden des Buches. Und er ist schnell, er hat alles erledigt, bevor das Budget der Klientin aufgebraucht ist. Die Geschichte kommt allerdings eher gemächlich daher.

Das Buch als ganzes betrachtend, kann man sagen, ein flüssig geschriebener Thriller, der seine stärksten Phasen hat, wenn die Hauptfiguren in Bewegung sind und der auf übermäßige und unnütze Gewaltbeschreibungen verzichtet. Die Handlung ist in ein realistisches Umfeld eingebettet, das aber mangels analytischer Schärfe Dekoration bleibt.

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